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"Um die Zeit des Spielers kämpfen"

Wed 04 Aug 2010 2:58pm GMT / 10:58am EDT / 7:58am PDT
Online

Gameforge-Finanzchef Christoph Jennen sieht in der zunehmenden Konsolidierung des Free2Play-Marktes die Notwendigkeit, auch durch Übernahmen zu wachsen.

Gameforge

With an impressive portfolio of around 20 titles and over 380 million registered players, Gameforge is...

gameforge.de

Gameforge als einer der weltweit führenden Browser- und Clientgames-Anbieter gehört zu den am schnellsten wachsenden Unternehmen überhaupt. Doch den Karlsruhern ist organisches Wachstum nicht genug: Mit der Übernahme von 60 Prozent an der Frogster Interactive Pictures AG hat das Unternehmen wichtige Marken wie Runes of Magic an sich gebunden. Gameforges Finanzvorstand Christoph Jennen enthüllt im Gespräch mit GamesIndustry.biz jedoch auch, dass es Gameforge um eine zügige Internationalisierung geht...

Q: Derzeit verfügen Sie bereits über 60 Prozent des Aktienkapitals der Frogster AG. Allerdings müssen Sie immerhin noch 40 Prozent der Aktien von weiteren Anteilseignern erwerben. Wie sehen Sie die Chancen, dass die Aktionäre Ihr Angebot von 25 Euro je Aktie annehmen?

Christoph Jennen: Derzeit hält das Frogster-Management noch 13,5 Prozent und 26,5 Prozent der Anteile befinden sich im Streubesitz. Wir sehen die Chancen für die komplette Übernahme ganz gut. Wir haben ja bereits mit mehr als einem Drittel der Frogster-Aktionäre einen Vertrag auch über 25 Euro geschlossen. Diese Anteilseigner konnten wir überzeugen, dass das ein fairer Preis ist. Von daher gehen wir davon aus, dass dies ein gutes Signal in den Markt ist und positiv von den restlichen Aktionären angenommen wird.

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Internationale Ausrichtung im Visier: Gameforges Finanzvorstand Christoph Jennen.

Q: Nun verfügt auch Frogster über rund 200 Mitarbeiter in Berlin. Wollen Sie das Unternehmen auch personell in Gameforge integrieren oder sollen weiterhin zwei getrennte Firmen existieren?

Christoph Jennen: Sowohl Gameforge als auch Frogster wachsen. Wir wollen keine Verschmelzung durchführen, sondern wir wollen Frogster möglichst eigenständig belassen. Die Menschen in der Games-Industrie sind leidenschaftlich, sie sind mit Herzblut bei der Sache und sie brauchen ihren Freiraum, damit sie entsprechende Produkte machen, die wir auch vermarkten können. Das sehen wir als klaren Erfolgsfaktor an, damit diese Akquisition gelingt. Außerdem wollen wir uns natürlich auch weiterhin auf unser eigenes Geschäft konzentrieren und nach vorne bringen.

Darüber hinaus können wir viel voneinander lernen. Frogster hat ein sehr professionelles Management, das bei Runes of Magic insbesondere beim Launch, aber auch in der weiteren Vermarktung einen hervorragenden Job gemacht hat. Wir sind dagegen sehr stark auf der technischen Seite, so dass wir viel gemeinsam nutzen können, was wir jeweils für die existierenden Firmen gewinnbringend einsetzen können.

Q: Nun ist Frogster unter anderem mit Niederlassungen in den USA deutlich internationaler ausgerichtet als Gameforge. Inwieweit hat dieser Faktor bei der Kaufentscheidung eine Rolle gespielt?

Christoph Jennen: Was uns richtig gut gefällt, ist tatsächlich die internationale Ausrichtung von Frogster. Insbesondere die USA ist ein Markt ist, in dem wir noch stärker präsent sein wollen. Frogster beschäftigt bereits 20 Mitarbeiter vor Ort, die dort lokalisiertes Marketing und lokalisierte Promotionen mit Amerikanern machen, die den Nerv der US-Gamer besser treffen als man das von Deutschland aus machen kann. Das ist schon ein wichtiges Asset für uns.

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Runes of Magic gehört mit 3,5 Mio. registrierten Spielern zu den wichtigsten Titeln im Frogster-Portfolio.

Q: Inwieweit wurden Sie aufgrund der zunehmenden Konsolidierung und dem Wettbewerb durch herkömmliche Spiele-Publisher, die jetzt erst den Free2Play-Markt entdeckt haben, zu dieser Übernahme gezwungen, um in Zukunft bestehen zu können?

Christoph Jennen: Nach der Übernahme von Playdom durch Disney und Playfish durch Electronic Arts beobachten wir starke Konsolidierungstendenzen vorerst nur im Bereich der Social Media, aber wir sehen auch erste Marktkonsolidierungen in unserem Bereich. Letztlich konkurrieren wir mit jedem Unternehmen, das mit uns im Wettstreit um die Zeit des Spielers steht. Also ist diese Konsolidierung natürlich auch ein Grund für uns, die Beteiligung an Frogster einzugehen.

Natürlich wollen wir auch organisch gesund wachsen. Wir suchen derzeit knapp 100 neue Mitarbeiter, und das ist auf die nächsten 12 bis 18 Monate gerechnet. Wir haben neue Themen eingekauft, und auch Frogster hat zwei neue Titel gezeichnet, also werden die auch nicht wenig Leute suchen. Aber wir glauben nicht, dass das in Zukunft reichen wird, um weiterhin eine Führungsrolle zu spielen. Diese wollen wir behalten, und da sehen wir schon, dass wir wir dies mit ausgewählten Akquisitionen vorantreiben müssen.

Q: Inzwischen wird auch im Free2Play-Markt um Lizenzen gekämpft. Bigpoint hat Titel wie Die Mumie, Sie haben kürzlich die Star-Trek-Lizenz erworben. Wird es in Zukunft überhaupt noch Platz für Eigenmarken geben?

Christoph Jennen: Wir sind daran interessiert, unser Portfolio so gut wie möglich zu diversifizieren. Star Trek war eine gute Gelegenheit, die ältere Zielgruppe abzuholen. Der Vorteil bei solchen Produkten ist natürlich, dass man zwar zunächst relativ viel für die Lizenz selber ausgibt, dann aber nicht so stark im Marketing investieren muss wie bei selbst aufgebauten Marken. Wir versprechen uns sehr viel davon. Allerdings gilt dies auch für bereits eingeführte Spiele-Marken wie die Gilde. Man muss das Portfolio so ausrichten, dass man eine möglichst breite Zielgruppe bedienen kann. Beide Bereiche werden also in Zukunft eine Rolle spielen.

Q: Nun hat Frogster ja trotz der Ausrichtung auf den Onlinevertrieb Runes of Magic auch als Boxed Product in den Handel gebracht. Sehen Sie bei der zu erwartenden steigenden Größe von Clients in Zukunft für den stationären Einzelhandel eine Chance, am Free2Play-Modell zu partizipieren?

Christoph Jennen: Wir sehen den Handel als mögliche, sinnvolle Ergänzung zum Onlinegeschäft. Tatsächlich betreibt dies auch die Frogster AG, die Boxen von Runes of Magic in den Handel stellt, um einen alternativen Vertriebsweg zu gehen. Natürlich werden die Online-Clients ja nicht kleiner, und hier kann man einen gewissen Komfort oder auch besondere Items anbieten, die es online nicht gibt. Als alternative Vertriebsform sehen wir dies als Ergänzung zum Onlinegeschäft an, aber es wird keinen richtig großen Anteil ausmachen. Als starke Konkurrenz sehen wir solche Angebote nicht, da sich das Free2Play-Modell so stark etabliert hat und für den Handel einfach nur eine Nischenposition bleibt.

Q: Wo sehen Sie eigentlich in Ihrem Portfolio die größten Wachstumschancen – im Client- oder im Browserbereich?

Christoph Jennen: Unser Schwerpunkt ist ja sowohl der Browser- als auch der Clientbereich. Diese Mischung finden wir richtig, weil uns die Browserspiele einfach eine große Reichweite bringen. Nutzer von Clientspielen bleiben dagegen länger im Spiel. Durch hohe Reichweite der Browsergames zieht man dagegen wiederum viele Spieler in die Clientspiele hinein. Wir wollen uns also mit zunehmender Größe breit aufstellen, und genau das ist für uns ein strategischer Grund zur Portfolio-Diversifizierung.

Q: Vielen Dank für das Gespräch!

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