"Neue Marken aufbauen"

Mon 20 Sep 2010 10:06am GMT / 6:06am EDT / 3:06am PDT
Publisher

Trotz teils massiver Rückgänge insbesondere im Handheld-Markt meldet Koch zweistellige Zuwachsraten. GamesIndustry.biz sprach mit Geschäftsführer Dr. Klemens Kundratitz über die Wandlung von Koch Media vom deutschen zum internationalen Anbieter.

Trotz teils massiver Nachfragerückgänge insbesondere im Handheld-Markt meldet Koch Media zweistellige Zuwachsraten. GamesIndustry.biz sprach mit Geschäftsführer Dr. Klemens Kundratitz über die Wandlung von Koch Media vom deutschen zum internationalen Distributions- und Publishingunternehmen.

Q: Die Marktzahlen für das erste Halbjahr sahen keineswegs erfreulich aus. Herrscht auch bei Koch Media Katerstimmung nach den ersten sechs Monaten?

Dr. Klemens Kundratitz: Wir haben in Deutschland einen guten zweistelligen Umsatzzuwachs im ersten Halbjahr gemacht. Wir sind also ordentlich unterwegs. Das ist natürlich auch getragen von einem starken Vertriebsportfolio. Wenn man die Highlights des ersten Halbjahres nennen möchte, dann ist sicherlich Final Fantasy XIII der erste Titel, der einem dazu einfällt. Dann hat man natürlich Just Cause 2 und Kane & Lynch 2 zu berücksichtigen. Wir sind sicherlich in einem dynamischen und herausfordernden Marktumfeld eine der Firmen, die insgesamt mit Zuversicht auch in die zweite Jahreshälfte blickt. Wir haben keinerlei Veranlassung, unsere Aufstellung im deutschen Markt zu verändern. Wir sind die Nummer eins im Vertrieb und die Nummer eins unter den deutschen Publishern.

Q: Worauf basiert Ihre Zuversicht für das zweite Halbjahr?

Dr. Klemens Kundratitz: Als größten Weihnachtstitel haben wir F1 2010 von Codemasters, was ein wirklicher Abräumer werden wird.

Wir haben ja seit März für Codemasters exklusiv die Vertriebsverantwortung in mehreren europäischen Ländern übernommen. Dazu gehört der deutschsprachige Raum, Italien, Frankreich und Benelux. F1 2010 wird sicherlich der größte Titel in der Unternehmensgeschichte, was die Auslieferung betrifft. Wir planen mit einer Erstauslieferung zwischen 500.000 und einer Million am Veröffentlichungstag.

Q: Ist denn die Formel 1 auch im Videospielegeschäft noch so ein großes Thema? Schließlich haben wir keinen Weltmeister mehr...

Dr. Klemens Kundratitz: Frankreich und Deutschland liegen gleichauf, was die Auslieferung angeht. Frankreich ist der etwas größere Videospielemarkt, aber Deutschland ist begeisterter, was Formel 1 angeht. Immerhin sind sechs deutsche Fahrer in der Formel 1 vertreten. Die Begeisterung ist wieder erstaunlich gewachsen.

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Will die Position als europäischer Distributor ausbauen: Koch-Geschäftsführer Dr. Klemens Kundratitz.

Q: Inwieweit fürchten Sie die Konkurrenz von anderen Titeln wie etwa Gran Turismo 5?

Dr. Klemens Kundratitz: Natürlich wäre eine zeitliche Nähe der namhaften Mitbewerber im Genre dem Titel nicht zuträglich, aber erstens haben wir eine solche Situation nicht, und zweitens ist Formel 1 natürlich noch eine etwas andere Zielgruppe, die über die reinen Racing-Begeisterten hinausgeht. F1 ist ein Medienevent; ein gelerntes Erlebnis und hat zudem seit fünf Jahren als Videospiel nicht stattgefunden. Vielen Leuten ist es trotzdem noch in angenehmer Erinnerung, als Sony die F1-Spiele herausgebracht hat. Insofern gehe ich davon aus, dass wir einen guten Mix an Voraussetzungen haben, um lange an der Chart-Spitze zu bleiben.

Q: Derzeit scheinen die internationalen Publisher im Wesentlichen darauf zu setzen, ihre bestehenden Marken auszuwerten und zu erweitern. Wie sieht ihre Strategie als kleinerer Akteur im Publishing-Bereich aus?

Dr. Klemens Kundratitz: Das ist eine sehr interessante Frage. Natürlich ist die Aufstellung der Publisher sehr unterschiedlich. Wenn man Atari heißt und einen riesigen Bestand an alten Marken quasi im Keller hat, dann besteht vielleicht weniger der Bedarf, neue Marken zu schaffen. Aber bei Deep Silver schreiben wir uns auf die Fahnen, neue IPs anzuschieben. Natürlich geschieht dies auch aus der Situation heraus, dass wir eben keinen Keller voller Altmarken haben. Wir haben im letzten Jahr mit Risen einen sehr interessanten Neustart im Rollenspielbereich gehabt und auf der gamescom Risen 2 angekündigt. Wir haben die Marke Sacred aufgekauft und es wird ein Sacred 3 geben.

Wir führen diese beiden Marken weiter, aber wir schaffen auch neue Marken. Da darf ich nail'd als Arcade-Racer nennen, der in einem Feld spielt, in dem Sie uns vielleicht nicht vermutet hätten. Aber es sind nicht die großen Rennspiele, die wir versuchen anzugreifen, sondern es ist ein Randbereich. Das zeigt auch, wo wir uns bewegen müssen: Wir müssen uns natürlich noch in einem für Spieler relevanten und auch global vermarktbaren Bereich mit unserem Portfolio bewegen, aber doch Genres meiden, die von übergroßen Marken und Produktionsbudgets besetzt sind. Im Rollenspiel- und Adventurebereich fühlen wir uns wohl; und auch in Teilbereichen des Racings.

Dies werden wir noch ausbauen. Wir werden auch nächstes Jahr eine oder zwei neue Marken auf den Markt bringen. Dabei geht es nicht nur um neue IPs, sondern es geht auch um Lizenzen. Wir sind in den Lizenzbereich ja mit internationalen Themen gestartet; wie zum Beispiel Prison Break, X-Factor und speziell für den englischen Markt mit Dr. Who.

Q: Viele Publisher stellen ihre Entwicklungsabteilungen so um, dass zu großen Titeln Download-Inhalte und Add-ons angeboten werden, um den Markenwert zu erhalten. Gehen Sie einen ähnlichen Weg beim Publishing?

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Von F1 2010 will Koch Media in den europäischen Vertriebsgebieten bis zu einer Million Exemplare ausliefern.

Dr. Klemens Kundratitz: Ich glaube, dass die Zeit, in dem wir einfach alle drei Jahre ein Spiel herausbringen konnten, vorbei ist. Wir haben dafür viel zu hohe Investitionen; und das bedeutet, wir müssen unsere Communities ständig bedienen. Ob das nun physische oder digitale Add-ons sind oder andere community-fördernde Maßnahmen ist von Fall zu Fall unterschiedlich. Letztlich stehen Markenaufbau und Markenpflege in unserer Zeit auf mehr Beinen als nur auf der Veröffentlichung von Sequels und Add-ons.

Q: Inzwischen ist Koch Media im europäischen Markt eine echte Hausnummer im Vertriebsgeschäft geworden. Einem deutschen Unternehmen traut man so etwas nicht unbedingt zu. Was halten Sie für Ihre Erfolgsfaktoren?

Dr. Klemens Kundratitz: Ich glaube, dass wir über viele Jahre hinweg eine sehr solide Arbeit geleistet und uns einen Namen gemacht haben für eine zuverlässige und vermarktungsstarke Firma. Wir haben mittlerweile eine Marktabdeckung in ganz Europa durch eigene Vermarktungsstrukturen und Vertriebsbüros in neun Ländern erreicht, und wir sind mittlerweile die Nr. 1 als europäischer Retail-Distributor. Diese Vermarktungsstärke wird wahrgenommen und sich von großen Namen wie Capcom, Square Enix, Bethesda, Nintendo in England und Microsoft zunutze gemacht.

Wir haben also für sehr viele große Firmen Vermarktungsfunktion und das gibt uns Relevanz und Know-how im Markt. Darüber hinaus gibt uns dies auch die Möglichkeit, mit unserem Label Deep Silver eine Vermarktungspower zu erreichen, die wir als kleines Label vielleicht nicht hätten. In unserer Kombination gehen wir sehr bewusst unseren eigenen Weg und diese Differenzierung zeichnet uns aus. Das betrifft die Kombination aus Vertrieb und Publishing, aber auch unsere Produkt-Kombination aus Anwendersoftware, Spielen und Filmen. Wir sind also ein umfassendes Medienunternehmen. Und nicht zuletzt ist es einfach auch eine gewisse europäische oder deutsche Klarheit darüber, was wir können - und vielleicht auch, was wir nicht können. Das verschafft uns die Glaubwürdigkeit am Markt.

Q: Vielen Dank für das Gespräch!

Über den Autor

Christoph Holowaty
Christoph Holowaty started the German edition of GamesIndustry in 2010. With over twenty years experience in journalism and the video game business, he was the original founder of MCV in 1995. At Computec Media he had multiple roles such as Co-Editor of PC Games and Chief Reporter for all Computec magazines and websites.

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